Sanft wird das Baby in den Schlaf gesungen. Schreit es, wird zur Beruhigung gesungen – und es funktioniert: das Baby hört auf zu schreien. Kaum kann es sitzen, robben, krabbeln und laufen wippt es schon im Takt zum Beispiel zu der Musik aus dem Radio. Warum ist das so? Was macht Musik mit unseren Babys?

Nach der Geburt

Im ersten Lebensjahr können Kinder feine Unterschiede in der Tonhöhe und Tondauer erkennen. Die ersten musikalischen Erfahrungen stehen im engen Zusammenhang mit der Sprache und der Kommunikation der Eltern mit ihren Kindern – auch „babble music“ genannt. Diese Art zu sprechen hat viele Übereinstimmungen mit Musik, z.B. die Vermittlung von Emotionen. Fröhliche Emotionen werden in einer hohen Stimmlage ausgedrückt, während Ärgernis in einer tieferen Stimmlage geäußert wird. Die Kinder lernen schnell diese Variablen zu erkennen und deuten. Darüber hinaus scheint diese Art der Kommunikation kulturübergreifend zu sein. Studien zeigen, dass Säuglinge sich zunächst an den generellen akustischen Kennzeichen einer Sprache orientieren und diese dann nutzen um ausgedrückte Emotionen zu erkennen, bevor sie kulturabhängige Kennzeichen verwenden.

Auch für bestimmte Klänge zeigen Säuglinge Vorlieben. So bevorzugen sie z.B. eher harmonische als dissonante Klänge. Ihre akustische Wahrnehmung orientiert sich dabei hauptsächlich an absoluten Tonhöhen. Das bedeutet: sie erkennen Melodien nicht mehr wieder, wenn sie in einer anderen Tonart gespielt werden. Auch Kleinkinder erkennen die Melodie nicht wieder, wenn der neue Anfangston sich um mehr als drei Halbtonschritte verschoben hat. 

Töne und Gesang schulen das Gehör der Babys. Schaukeln, wiegen und bewegen schulen den Gleichgewichtssinn. Am besten aber lernt das Baby, wenn beide Faktoren miteinander kombiniert werden. Das Baby lauscht der Musik und nimmt gleichzeitig wichtige Reize für die Muskelspannung und Körperhaltung auf. Fähigkeiten die es später zum Beispiel für das Krabbeln und Laufen braucht. Zusätzlich lädt die Musik an sich zum Bewegen ein – ein positiver Nebeneffekt. 

Ein weiterer Effekt von Musik ist das Erkennen von Mustern und Zusammenhängen. Wenn ein Kind geboren wird, muss es sich zunächst in einer Welt voll unterschiedlichster Klänge, Geräusche, visueller Eindrücke und Empfindungen zurechtfinden. Es muss Muster und Zusammenhänge erkennen. Wie die Musik, hat auch die Sprache einen Rhythmus. Studien zeigen unter anderem, dass Musik einen günstigen Einfluss auf die Sprachentwicklung bei Babys hat. Durch das Hören, Erleben, Gewöhnen und Erkennen von Rhythmen in der Musik, können sie dies auf die Sprache und den Sprachrhythmus übertragen und auch hier Muster und Zusammenhänge erkennen und einfacher die Sprache erlernen. 

Durch das regelmäßige hören von Musik vor und nach der Geburt, wird das Baby kein (musikalisches) Wunderkind, aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. Musik kann helfen eine besondere Bindung zum eigenen Baby zu bekommen. Egal ob die Eltern dabei musikalisch sind, gut singen können oder nicht. Wenn Eltern ihrem Baby vorsingen, gemeinsam mit ihm Musik hören, es zur Musik wiegen oder mit ihm zur Musik Tanzen wird eine beruhigende, liebevolle und wohltuende Atmosphäre für das Kind und die Eltern geschaffen – und das macht glücklich.

Von Birte Lill Bechtle


Quellen:

Erwe, H.-J. (2014). Entwicklung musikalischer Fähigkeiten. In M. Hopf, Handbuch Frühe Kindheit (S. 635-643). Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Fassbender, C. (1993). Hören vor der Geburt. In H. Bruhn, R. Oerter, & H. Rösing, Musikpsychologie. Ein Handbuch (S. 268-275). Hamburg: Rowolt Taschenbuch Verlag GmbH.

Honing, H. (2011). Musical Cognition. A Science of Listening. New Brunswick: Transaction Publ.

Juslin, P. N., & Sloboda, J. A. (2012). Music and Emotion. In D. Deutsch, The psychology of music. Cognition and Perception (S. 583-645). London: Academic Press.

Swaminathan, S., & Schellenberg, E. G. (2015). Current Emotion Research in Music Psychology. Emotion Review, 7(2), 189-197.

Trainor, L. J., & Hannon, E. E. (2012). Musical development. In D. Deutsch, The psychology of music. Cognition and Perception (S. 423-497). London: Academic Press.

Zhao, T. C. & Kuhl, P.K. (2016). Musical intervention enhances infants’ neural processing of temporal structure in music and speech. California: National Academy of Sciences.

Join the discussion One Comment

Leave a Reply

About Salient

The Castle
Unit 345
2500 Castle Dr
Manhattan, NY

T: +216 (0)40 3629 4753
E: hello@themenectar.com